Der Spaß steht im Vordergrund |
||
![]() Das Ehepaar Helga und Hans Hansen (im Bild vorne, halblinks) hat offensichtlich den richtigen Ton und das richtige Lerntempo gefunden, um den Paaren mittleren Alters den Spaß am Tanzen zu vermitteln. |
||
|
Jung gefreit, hat nie bereut. Da ist etwas dran. Junge Eltern - da haben die Kinder viel davon. Junge Eltern wissen noch wie es war, als sie selbst jung gewesen sind. Junge Eltern haben noch gute Nerven und sind mit der Kindererziehung durch, wenn andere anfangen. Ja, und ehe man es sich versieht, hat der Älteste schon die Schule hinter sich, macht das Abitur und kann seine Eltern zum Abi-Ball einladen. "Mutti, darf ich bitten?" Natürlich sähe es der Sohnemann gerne, wenn die Eltern auch auf der Tanzfläche eine gute Figur abgäben. Aber wie soll das gehen, wenn die Eltern vorher kaum miteinander getanzt haben, weil sie dafür, bedingt durch die Erziehung mehrerer Kinder, keine Zeit hatten? |
||
|
Bärbel und Wilfried Turkowski, denen das so ähnlich ergangen ist wie oben beschrieben, haben sich auf dem Abi-Ball ihres Sohnes - das ist nun schon ein paar Jahre her - notgedrungen mit einem tänzerischen Minimalprogramm beholfen. Sie haben sich ganz vorsichtig über die Tanzfläche geschoben - und sich vorgenommen, für den nächsten bedeutenden Anlass, ihre silberne Hochzeit, einen Crash-Kurs im Tanzen zu absolvieren. Es kam dann alles ein bisschen anders und noch viel besser. Von einem Arbeitskollegen hatte Wilfried Turkowski in Erfahrung gebracht, dass der Nordsee- Tanzclub (NTC) Blau-Silber eine Gruppe für Paare mittleren Alters zusammenstellen wollte und dafür noch Teilnehmer suchte. Die Turkowski`s waren daran interessiert und sprachen ihrerseits Arbeitskollegen und Leute aus der Verwandtschaft an. So erfuhr also das Ehepaar Kaudasch von den Plänen, das seinerseits die Ottos für diese Idee gewann. |
![]()
Wollten spätestens bis zur
|
|
![]() Helga und Hans Hansen betreuen und unterrichten die Paare mittleren Alters. Für die meisten von Ihnen ist der Sonntagabend als Tanzabend nicht mehr wegzudenken |
Und so begannen vor fünf Jahren etwa zehn Paare, sich sonntags um 18 Uhr im Clubheim im Textilhof zu treffen, um unter der Anleitung von Helga Hansen, heute die 1. Vorsitzende des NTC, und deren Ehemann Hans die Tanzstundenkenntnisse aufzufrischen oder, wie im Falle Turkowski, das gesellige Tanzen erst so richtig zu erlernen. |
|
|
Dabei geblieben sind aber Susanne und Hans-Jörg Otto. Das sportliche Ehepaar, er 52, sie 51 Jahre alt, das sich außerdem mit Walken bzw. Joggen und Schwimmen fit hält, freut sich jedes Mal darüber, in den sonntäglichen Tanzstunden etwas Neues zu lernen. Gibt aber ausdrücklich auch zu Protokoll: Der Spaß steht im Vordergrund. Spaß, der - von den gemeinsamen Grünkohlessen oder Weihnachtsfeiern abgesehen - meist auch in Verbindung mit dem Tanzen steht. Ottos, denen vor allem die Standardtänze gefallen, sind nämlich zu begeisterten Ball-Besuchern geworden. Schon immer wollten sie einen Tanzkurs zusammen machen. Aber dem stand viele Jahre die Marine- Fahrenszeit von Hans-Jörg Otto im Wege. Nun haben sie Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen. |
![]() Die Seefahrt verhinderte lange Zeit, |
|
|
Dass das gesellige Tanzen selbst Leute süchtig machen kann, die sich eigentlich lieber ohne Partner zur Musik bewegen, das wird am Beispiel von Gisela Janssen deutlich. Und es war auch nicht ihr Ding, sich von einem Mann führen zu lassen, "welche Frau macht das schon gerne". Aber durch ihre "geduldige, nette und humorvolle Art" haben es die Hansens auch bei den Janssens aus Sillenstede geschafft, die Lust an Walzer, Foxtrott und Rumba zu wecken. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, sonntagabends nicht tanzen zu gehen", bekennt Gisela Janssen. Ein Vergnügen, das nach eineinhalb Stunden inklusive Tanzpause stets gesellig ausklingt. Auch die Janssens nutzen die Ballsaison, um zwei-, dreimal in Herbst und Winter auf Großveranstaltungen zu gehen, am liebsten auf den Reiterball in Jever bzw. den Segler- oder Handwerkerball. Selbstverständlich sind sie dabei, wenn der NTC am 6. November im Gorch-Fock-Haus seinen Jubiläumsball abhält. An diesem Tag feiert der Verein sein 40-jähriges Bestehen. Er ist damit der älteste Tanzsportclub in Wilhelmshaven, wie die 1. Vorsitzenden Helga Hansen stolz feststellt. |
|
|
Schon am Vormittag wird es anlässlich des Jubiläums im Textilhof einen Empfang von 11 bis 13 Uhr geben. Dort wird sicherlich auch noch einmal die wechselvolle Geschichte zur Sprache kommen, was die Heimstatt des Vereins angeht. Nach den Anfängen 1964 bei Karl und Lisa Neumann, die auch Gründungsmitglieder waren, baute der Verein 1981 über dem WSSV im Sportforum sein erstes Clubheim. Das musste 1989 wegen der Fitness-Pläne des WSSV, ausgerechnet im 25. Jubiläumsjahr, freigemacht werden. Erst nach langen Verhandlungen mit dem Bundesvermögensamt waren die Verträge für die Räume im Textilhof unter Dach und Fach. Doch das ist jetzt Geschichte. Der NTC beschäftigt derzeit nicht weniger als acht Übungsleiter und Trainer, die in allen Sparten des Tanzens einen Unterricht mit Spaß und Freude anbieten. Unterrichtet werden Tänzer und Tänzerinnen, angehende und bereits ausgebildete, im Alter von fünf bis 80 Jahren. Helga Hansen: "Kinder und Jugendliche tanzen heute vorwiegend Videoclip-Dancing oder Modern Dance, auch mit Ballett-Elementen." |
|
|
|
Durch die intensive Jugendarbeit hatten in den vergangenen zwei Jahren die Kinder- und Jugendgruppen "Mix Max" und "Tornado-Dancers" aufgebaut werden können. "Hierfür beschäftigt der NTC zwei junge sehr engagierte Trainer." |
||
|
Aber auch die Senioren kämen beim NTC nicht zu kurz. Sie treffen sich mindestens einmal wöchentlich zum Tanzen in den gemütlichen Vereinsräumen. Aufwärts geht es auch wieder mit den Turniergruppen, für die ein junger Trainer aus Hamburg gewonnen wurde, der selbst schon Deutscher Meister gewesen ist. Er unterrichtet zudem 14-tägig Discofox und Salsa. "Er hat wieder frischen Wind in die Leistungsgruppe gebracht. Die Erfolge sind bereits sichtbar", zieht Helga Hansen erste Bilanz. |
||
|
Wichtig sei die Sparte für jüngere Paare und Paare mittleren Alters. Diese Gruppen üben nicht nur unter Anleitung erfahrener und engagierter Trainer die Gesellschaftstänze wie Walzer, Foxtrott, Cha-Cha, Rumba usw., sondern lernen auch Neueres wie Discofox, Mambo, Salsa, Tango Argentino und die jeweiligen Modetänze. Hansen: "Hier, wie auch bei den New Vogue-Gruppen, die sich durch die neue Tanzart aus Australien entwickelt hat, wird die Gruppengemeinschaft intensiv gepflegt mit viel Spaß und gemeinsamen Ausflügen." Diesen Kern des NTC wieder mit neuen, tanzbegeisterten Paaren aufzufrischen, das habe sich der Vorstand für die nächste Zeit zum Ziel gesetzt. Wo hier der Knackepunkt liegt, ist bekannt. "Meistens liegt es nur an den Männern, die den Weg zum Tanzen mit ihrer Partnerin noch scheuen."
Doch zeige die Erfahrung, dass, "sich meist zu einem tollen Tänzer entwickelt, wer erst einmal dabei ist." |
||
Auszug aus Kompass 11/2004 Fotos: Ellen Litzius
|
||